Wohnzimmeratmosphäre

Gott wohnt bei uns, so begründete ich den roten Sessel in der Gemeinde. Die Kanzel ist zur Seite gestellt und ich werde die nächsten Gottesdienste – vom 4. Advent bis zum 4. Januar aus dem roten Sessel heraus predigen. Das hat schon Rückfragen und Gespräche provoziert.

Die eine fragte mich, ob ich mich jetzt als Weihnachtsmann mit Mütze vorne hinsetzen würde. Die andere war an den Ort „Himmelpfort“ erinnert. Andere fragten mich, ob das jetzt für immer sei, mit wieder anderen sprach ich darüber, wie das wirkt, wenn ich da vorne säße. Und ich selbst habe darüber nachgedacht, auf was ich achten muss, wenn ich so „auf dem Präsentierteller sitze“. Mir wurde auch die Frage gestellt, ob ich Märchen vorlesen würde aus diesem Sessel. All die Fragen und Gedanken der letzten Wochen, zeigten mir, dass wir Bilder im Kopf haben. Das allein ein einziger roter Sessel Assoziationen wecken kann. Aber auch Sorge, das Vertrautes, wie die Kanzel, jetzt weichen könnte, oder Dinge einfach nur gemacht würden ohne Sinn. Veränderung nur um etwas zu verändern, wären nicht mein Ding. Aber das ist ein anderes Thema.

Gott wohnt bei uns. Gott hat sich eingerichtet und Wohnung genommen. Mir gefällt der Gedanke und der Sessel bringt es für mich zum Ausdruck. Insider wissen: dieser rote Sessel ist der Gebetssessel, den ich zur Einführung in der Hofkirche geschenkt bekam, und so hat er für mich immer auch einen Bezug zum Gespräch mit Gott, seiner Gegenwart, ebenso wie mit dem Neuanfang, den wir gemeinsam in diesem Jahr hatten. Um Neues werden wir uns nächstes Jahr noch mehr Gedanken machen. Denn in der Jahreslosung für 2026 heißt es „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21, 5). Mehr dazu am 4. Januar im Gottesdienst.

Jetzt feiern wir erstmal, dass Gott Platz genommen hat. In dieser Welt, als Kind in der Krippe, als Mann am Kreuz. Gott wurde Mensch: Jesus ist geboren. Mir selbst ist er Vorbild auch darin, dass er sich zu den Leuten gesetzt hat. Klar, war es in den Synagogen damals, in denen Jesus lehrte, üblich, dass Lehrer sich setzen. Jesus pflegte aber auch Tischgemeinschaft während seines Lebens. Biblische Geschichten erzählen davon. Er saß am Ufer, ebenso, wie im Boot mit seinen Freunden zusammen. Jesus hat gefeiert und ebenso gelacht wie geweint. Alle Seiten des Lebens hat er erlebt. Und sagt er an einer Stelle, dass er keinen Ort hat, wo er zu Hause sei, lesen wir doch im Johannesevangelium 1,14: „das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“ und deuten es auf Jesus.

Ich werde Weihnachten keine Märchen erzählen, auch wenn ich Jahrtausend alte Text lese. Ich werde mich nicht verkleiden und nein, ich habe keine Rückenschmerzen – auch das wurde ich gefragt, ob ich nicht stehen könnte. Zwei Sachen bewegen mich in diesen Tagen, und die werde ich mit Euch teilen: Gott ist eingezogen – darum kann es Weihnachten wohnlich sein. Und ich nehme Platz in seiner Gegenwart, auch als Zeichen, dass wir in diesen Tagen ankommen können – in seiner Gegenwart zur Ruhe finden. In diesem Sinne: besinnliche und fröhliche Weihnachtstage, zu Hause (und) in der Hofkirche. – Friede mit Euch!

Claudia Sokolis-Bochmann

P.S.: Den nächsten Freitagsgedanken schreibe ich wieder am 09. Januar 2026.