Segen bewegt

Dieser Freitagsgedanke kommt aus Kassel. Hier bin ich als Abgeordnete der Gemeinde auf der jährlich stattfindenden Bundesratstagung unserer Freikirche. Wie jedes Jahr treffen sich Menschen aller Generationen aus den verschiedensten Gemeinden und Werken unseres Bundes, um miteinander zu hören, zu fragen, zu beraten, Gottesdienst zu feiern. Hier treffe ich Freunde und Bekannte, und lerne immer wieder neue Menschen kennen.

Während ich schreibe, sitze ich im Konferenzsaal, die Band probt, die ersten Plätze füllen sich. Ich höre neue Lieder, dann stellt sich das Team zusammen. Letzte Absprachen. Gebetsgemeinschaft. Beten und Arbeiten gehört hier genauso zusammen, wie lachen und weinen, hören und reden, schweigen und abstimmen. Themen zur Sprache bringen, Fragen stellen, sich zeigen. Unten gibt es eine Ausstellung mit verschiedensten Ständen, an denen Werke und Bewegungen ihre Themen vorstellen. Eine gute Möglichkeit, um ins Gespräch zu kommen.

Himmelfahrt heißt für mich jedes Jahr unterwegs sein. Menschen meiner Freikirche treffen, ins Gespräch kommen, Austausch pflegen und den Horizont weiten. Das ist auch in diesem Jahr an Himmelfahrt ein Gedanke, mit dem ich hier bin: den Horizont weiten. Und die Band singt das Segenslied mit der Zeile: „lenk‘ du den Blick auf die Mitte zurück“

Nach letztem Sonntag wurde ich gefragt, was es denn heißt, wenn Menschen sich segnen lassen können. Was passiert, wenn wir uns den Segen zusagen, mit oder ohne Handauflegung? Mit Worten und Gesten teilen wir die Gewissheit: Gott ist da. Sein Wirken soll sich zeigen im Leben der einzelnen Person, in der Gemeinschaft, der Gesellschaft. Wir sprechen Gottes Gegenwart zu, sein Mitgehen, seinen Schutz, seine lebensspendende Kraft.

Für mich ist der Zuspruch des Segens mehr als eine Ermutigung. Segen sagt mir: ich bin nicht allein unterwegs und lebe aus einer Kraft, die von Gott kommt. Wenn Menschen einander den Segen zusprechen, stellen sie sich gemeinsam in Gottes Gegenwart und bekennen: er ist die Quelle, aus der wir leben. Und wir warten und vertrauen auf sein Wirken, das uns bewegt.

Claudia Sokolis-Bochmann