„Lagom“ und Leben

Lagom, dieses Wort aus dem Schwedischen begegnete mir in dieser Woche gleich mehrfach – ob in der Andacht in der Gemeindeleitung, in Werbeanzeigen im Alltag, sowie in Gesprächen. Das Wort meint ein „gesundes Maß“. Bei der Suche nach Übersetzungen finde ich eher Beschreibungen. Es spricht von Balance und ausreichenden Ressourcen. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Lagom beschreibt „die gute Mitte“ – man hat genug, von dem, was man braucht, ist zufrieden und kauft z.B. nicht mehr als man braucht. Im Bibelgespräch am Mittwoch lasen wir den Bericht aus dem Lukasevangelium, Kapitel 16, der vom reichen Mann und dem armen Lazarus erzählt. Wir stellten uns die Frage, wer unser Nächster ist. Ebenso sprachen wir über Fragen des Lebens.

Meine Woche war gefüllt mit Begegnungen. Am Wochenende feierten wir die Hochzeit von Gemeindemitgliedern und öffneten die Türe weit für Menschen von nah und fern. Die Girlande über der Eingangstür erinnerte mich die ganze Woche an dieses schöne Fest, an dem wir das Leben feierten. Kommt man auf unseren Hof, ist der direkte Eingang leider nicht gleich zu entdecken. Die Tür, die aussieht wie ein Haupteingang, ist als solcher nicht zu nutzen. Bei Veranstaltungen unter der Woche nutzen viele den Seiteneingang neben der Männertoilette, die als solche ausgeschildert ist und die man sieht. Erst, wenn man unseren Hof richtig betritt, den Schaukasten im Innenhof wahrnimmt, sieht man rechts die Eingangstür, die sonntags zum Gottesdienst führt und bei vielen anderen Gelegenheiten offen ist und einlädt einzutreten.

Mein zweites Bild in dieser Woche zeigt die Schönheit und Farbenpracht eines Sanddorn-Baumes, den ich bei einem Geburtstagsbesuch in dieser Woche bestaunen konnte. 90 Jahre Leben – ein Grund zurr Dankbarkeit. Mehr als 70 Jahre verheiratet – eine Seltenheit. Wir erinnerten an Hoch-Zeiten und Tiefen, die das Leben mit sich bringt. Ein Reichtum an Erinnerungen – und Fotoalben, die uns Staunen ließen.

Leben – damals in schwarz-weiß Fotos dokumentiert, hat sich verändert. Die Kräfte der Jugend haben nachgelassen und der Herbst des Lebens zeigt sich. Rückblickend: Dankbarkeit. Auch für das Heute: Dank. Ein schöner Einstieg in diesen Monat, der auf das Erntedankfest zugehen lässt. Haben wir nicht Grund genug das Lob anzustimmen und dankbar zu sein für das Leben?

Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann