
Ich konnte nicht anders, als vor diesem Prachtexemplar stehen zu bleiben. Auf meinem Weg nach Hause entdeckte ich die Gottesanbeterin friedlich im Fensterrahmen sitzen – Ich habe sie betrachtet, fotografiert und anschließen bei NABU gemeldet. Denn das seltene Insekt breitet sich durch den Klimawandel immer mehr und zunehmend nördlicher in Europa aus. Der Naturschutzbund ist daran interessiert die Ausbreitung zu erforschen, den Lebensraum für die Tiere zu schützen, und den Klimawandel auch dadurch zu dokumentieren. Mich fasziniert merklich die „kniende“ Haltung der Gottesanbeterin. Die Haltung brachte dem Tier seinen Namen. Die angewinkelten Vorderbeine erinnern an gefaltete Hände oder gebeugte Knie.
Macht die Gottesanbeterin durch ihr Erscheinen auf den Klimawandel aufmerksam, frage ich mich, ob beim gesellschaftlichen und politischen Klimawandel mehr Beterinnen und Beter in Erscheinung treten sollten. Nicht unbedingt laut, auch leise, doch klar bekennend, von wem sie sich Hilfe versprechen. Psalm 121 z.B. ist ein Lied der Anbetung, in dem der Beter bekennt, dass seine Hilfe von dem kommt, der Himmel und Erde gemacht hat. – Sein Gebet ermutigt bis heute Menschen ihr Vertrauen auf Gott zu setzen. – „Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.“ Das ist ein Wort aus Psalm 95. Dort und an anderer Stelle lesen wir die Einladung vor Gott die Knie zu beugen und ihn zu loben, ihn anzubeten und ihn als Schöpfer zu bekennen. Welche Haltung nehmen wir ein? Innerlich und äußerlich?

Staune ich aktuell bei Besuchen über die Schönheit, Farbenpracht und Größe von Pflanzen, Obst und Gemüse, dann denke ich auch an die Arbeit, Pflege, Aufmerksamkeit, die damit zusammenhängen. Ein Garten bringt viel Freude, macht aber auch Arbeit. Eigene Ernte stimmt dankbar, braucht jedoch nicht nur Pflege, sondern auch Zeit. Klar, schmeckt vieles frisch aus dem Garten köstlicher als manch gekauften Produkte, doch wenn die eigenen Kräfte weniger werden, ist es auch gut, nicht mehr viel anzubauen und einkochen zu müssen. Alles hat und braucht seine Zeit.
Wenn wir auf unser Erntedankfest am ersten Oktober Sonntag zugehen, dann freue ich mich auf das Fest, und bin gespannt, was zusammengetragen wird für den Erntedank-Tisch. Wir werden sehen, was wir als Gemeinde gemeinsam zusammentragen und teilen können. „Alle gute Gabe kommt von Gott, drum dankt ihm…“
Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann
