Vergangenen Samstag hatten wir „Frühjahrsputz“ in der Hofkirche. Ehrlich gesagt, nicht mein Lieblingstermin. Wie schön, vor der Arbeit gab es eine Tasse Kaffee, ein Vollkornbrötchen und nette Tischgespräche. Und langsam kamen wir in Schwung, es hat dann richtig Spaß gemacht Schränke und Regale auszuräumen und sauber zu machen, auszusortieren und die Dinge wieder an den alten oder an einen neuen Platz zu stellen. Und auch im Garten wurde tüchtig aufgeräumt, damit Neues wieder wachsen kann. Überall wuselten fleißige Helfer herum und es gab Gelegenheit, sich einmal ganz anders kennenzulernen. Und am Ende kamen richtige Glücksgefühle auf: der Hof der Hofkirche so aufgeräumt, die Räume in neuem Glanz und überall in Schränken und Regalen so viel mehr Platz und Übersicht.
Zu Hause habe ich das schon in der ersten Märzwoche gemacht. Ich hatte mir den Keller vorgenommen. Es gab drei verschiedene Kisten: eine für Dinge, die in den Müll sollten, eine für Dinge, die vielleicht im Sozialkaufhaus noch einen Interessenten finden. Ja und dann gab es Kiste Nr. 3 – für Dingen bei denen ich unentschieden war, von denen ich mich eigentlich schlecht trennen mochte, richtig schöne Gegenstände – für die wir aber einfach keine Verwendung mehr hatten. Bevor ich in´s Sozialkaufhaus fuhr, habe ich einen (alten) Stuhl mit Kiste Nr. 3 und einem Schild „ZUM MITNEHMEN“ an die Straße gestellt, mit dem Gedanken, wenn jemand die Dinge gebrauchen kann darf er sie gerne mitnehmen – wenn sie nachher noch da sind, bleiben sie erst einmal bei uns. Als ich nach einer guten Stunde wieder nach Hause kam, waren alle Sachen weg. Der Stuhl, zum Glück, war noch da. Jemand hatte das Schild umgeklappt, so dass das „ZUM MITNEHMEN“ nicht mehr zu lesen war. Doppelte, oder in diesem Fall dreifache Freude: mehr Platz, jemand kann Dinge die noch einen Wert haben gut gebrauchen und dann diese Freude, dass aufgrund der Umsicht, des Unbekannten der Stuhl nicht gleich mitgenommen wurde.
Eigentlich habe ich die Erfahrung schon oft gemacht: wenn ich mir die Mühe mache genau hinzuschauen, auszusortieren und mich zu trennen entsteh ein neuer Raum, eine neue Freiheit und Leichtigkeit. Nicht nur im materiellen Sinne. Neulich hatte ich ein belastendes Telefonat. Das Gespräch verfolgte mich einige Zeit, ich machte mir Sorgen. Und dann wurde mir plötzlich ganz klar: Jesus geht mit dieser Person seinen Weg, ich muss das nicht tun. Nach diesem Gedanken war dann auf einmal wieder Raum da, innere Freiheit und Zuversicht.
Das Aufräumen und Saubermachen hat sich echt gelohnt. Zu Hause und in der Hofkirche. Hier zu Hause gibt es noch genug zu tun. Morgen nehme ich den PC mal in Angriff, naja oder vielleicht erst übermorgen?

(Christiane Wirth)
