Freitagsgedanke zum 03. Oktober 2025

„Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn“, so beginnt ein Lied von Manfred Siebald, dass am Anfang meines Dienstes als Pastorin zu den Top 10 der Gemeindelieder zählte. Das war Anfang des Jahrtausends. Mittlerweile scheint das Lied etwas aus der Mode gekommen. Doch an einem Tag wie heute kommt es mir in den Sinn.

Gut, dass wir einander haben – 1990 wurde dieses Lied veröffentlicht. Vor 35 Jahren, eben in dem Jahr, als am 03. Oktober die DDR damals der Bundesrepublik beitrat und die Teilung Deutschlands beendet wurde. Zwei Staaten, die sich eigenständig entwickelt hatten, ihre Geschichte 45 Jahre lange schrieben, wurden nach Jahren der Teilung wiedervereinigt.

45 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Bis heute.

Als 1989 die Mauer fiel, änderte sich für mich der Stundenplan am nächsten Tag, aber nicht mein ganzes Leben. Wie anders war das für Menschen in der damaligen DDR. Die nächsten Wochen und Monate wurde viel diskutiert was kommt und werden würde, was uns die Wiedervereinigung kostet. Dabei sind Kosten nicht nur finanziell zu rechnen.

Gut, dass wir einander haben. – Mein Weg führte mich in die neuen Bundesländer, die ehemalige DDR, die Weite der wiedervereinigten Republik. Pastorin in Brandenburg an der Havel zu werden war für mich damals nicht im Blick. Überhaupt war offen, wohin ich mal gehen würde. Klar war eigentlich nur, dass ich meine Heimatstadt verlassen und ausfliegen würde. Das schien normal, dort wo ich lebte. Raus in die Welt, das Leben entdecken, Gaben und Fähigkeiten ausbauen.

Heute, 35 Jahre später, haben wir uns entschieden zu bleiben: im Osten. In den neuen Bundesländern. Wie lange nennen wir sie eigentlich neu? Mittlerweile wohne ich bereits am fünften Ort eines Landes, in das ich als Kind nur zum Urlaub gereist bin, und das zum Auswandern keine Option darstellte als Jugendliche. Heute ist die damalige DDR meine Heimat, mein Zuhause geworden. Dennoch bin ich immer eine Zugezogene, wie ich es in jede Stadt und jedem Dorf unseres Landes wäre, ob in Ost oder West, Nord oder Süd. Mal wäre es mehr, mal weniger aufgefallen.

Ich bin dankbar, dass ich eine Lernende bleiben kann. Und ich bete, dass erfahrbar wird, wie es in dem Lied heißt: „Gut, dass wir nicht uns nur haben, dass der Kreis sich niemals schließt und dass Gott, von dem wir reden, hier in unsrer Mitte ist“. Möge unser Blick von dieser Mitte in die Weite gehen.

Claudia Sokolis-Bochmann

Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann ist sonntags um 10 Uhr im Gottesdienst und 14-tägig mittwochs um 15 Uhr zum Bibelgespräch anzutreffen, ebenso am letzten Freitag im Monat von 15-17 Uhr zur KaffeeZeit.- Treffen und Termine können auf Nachfrage zum Gespräch und gemeinsamen Nachdenken mit ihr vereinbart werden.