„Wir machen blau“ – diese Redewendung, die heute im Sprachgebrauch mit
Faulenzen, Fernbleiben von Arbeit und Schule, Nichtstun in Zusammenhang
gebracht wird, hat ihren Ursprung im Handwerk der Färber, wo der „blaue Montag“
am Ende eines längeren Arbeitsprozesses stand. Nach harter Arbeit, dem Pflanzen
und Verarbeiten von Waid, wie die Pflanze heißt, aus dem die blaue Farbe
gewonnen wurde, mussten die Stoffe an der Luft trocknen, um den blauen Farbton
zu entfalten.
Und ja, die Färber konnten nur zusehen, wie die in Flüssigkeit getränkten Stoffe, an
der Luft trockneten und ihren Farbton änderten. Die Flüssigkeit sah nämlich grün aus
und durch die Oxidation an der Luft, entwickelte sich der blaue Ton. Sich diesen
Prozess anzuschauen, hat mich in dieser Woche fasziniert.
Aber warum hat mich das „Blaumachen“ beschäftigt? In unserer Hofkirche ging es
diese Woche sehr lebendig und belebt zu. Bei gutem Wetter füllte sich der Innenhof
über den Tag mit Kindern und Erwachsenen, die miteinander aßen, spielten,
bastelten, redeten und die Zeit gestalteten. Es war Zirkuswoche. In den
Innenräumen deutlich zu sehen. Dort wurden trainiert und jongliert, balanciert und
kreative Szenen entwickelt und entlang einer Schnur, die sich durch den Raum zog
Eindrücke präsentiert. Bilder und Fotos, Taschen mit Blaudruck gestaltet und T-
Shirts mit Zirkus Hoppla Logo sind zu bestaunen und lassen erahnen, was an
Kreativität, Arbeit und Zeit investiert wurde.
Erwachsene haben sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten investiert, um für Kinder
eine Ferienwoche zu gestalten. „Wir machen blau“, so das Motto über dieser Woche,
die mir weniger den Eindruck von Faulenzen vermittelte als von Gestalten, Zeit
haben, Kreativität Raum schenken, Gaben entwickeln.
Bewusst habe ich meine Bürozeiten in dieser Woche so gelegt, dass ich zu
unterschiedlichsten Zeiten eintauchen konnte in das bunte Treiben am Ort. Beim
Zirkusgeschehen war ich eher am Rand, betrachtete aus meinem Fenster das Leben
auf dem Hof, oder führte Gespräche in der Küche. In mir ist Vorfreude auf die
Aufführung heute Nachmittag geweckt, die Einblick schenkt, in all das, was
erarbeitet wurde. Jeden Tag durfte ich etwas mehr von der Vorbereitung entdecken.
Alles braucht seine Zeit. Bis der Stoff der Färber blau wurde, brauchte es Zeit,
Geduld, äußere Bedingungen zum Wachsen und Werden, wie die Luft, die
Veränderung brachte.
„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine
Stunde.“, heißt es in der Bibel, im Buch Prediger, und dort werden dann
verschiedene Beispiele genannt.
Heute werde ich hingehen – nicht nur zusehen.
Heute werde ich eintauchen in die Welt der Kinder und Mitarbeiter und mit ihnen
blau machen – mir Zeit nehmen, wertschätzen, applaudieren, staunen, zusehen.
Und wer weiß, vielleicht selbst etwas Neues ausprobieren?
Claudia Sokolis-Bochmann – 22.08.25/csb
