„Hast du Zeit?“ – eine Frage, die mich seit Montag durch die Woche begleitet. Ich stellte sie in einem Gespräch meinem Gegenüber und seitdem mir auch selbst immer wieder. Ja, ich habe sie. Manchmal stellt sich mir jedoch im Alltag die Frage, wofür ich sie mir nehme. Manchmal auch, womit ich sie fülle. In dieser Woche habe ich z.B. auf den Wocheneinkauf verzichtet. Erst stand er Dienstag auf meinem Plan. Weil ich mir aber Dienstag Zeit für mich nahm und dann noch Begegnungen und Telefonate anstanden, quetschte ich ihn nicht noch in den Tag. Ich wusste, wir werden nicht verhungern – und die Woche würde noch andere Gelegenheiten bieten. Am Donnerstag überlegten mein Mann und ich morgens, ob ich wirklich noch einkaufen müsste. Klar, fielen uns Dinge ein, die wir bräuchten. Auch das ein oder andere steht schon länger auf dem Einkaufszettel. Doch am Freitag und am Wochenende sind wir beide kaum zu Hause. Dass, was wir brauchen, steht vielleicht noch im Vorratsschrank und auch ohne kämen wir in die nächste Woche. Denn, was brauchen wir wirklich? Wir entschieden uns das, was da ist zu nutzen und lieber uns am Vormittag gemeinsame Zeit zu lassen.
Am Sonntag feiern wir Erntedankfest. Gerade haben wir frischen Zucchini aus dem Garten unserer Enkelin genossen. Frisch aus dem Garten schmeckt Obst und Gemüse doch anders und wir sprachen darüber, welche Wege die Zucchini sonst wohl schon hinter sich haben, bevor sie bei uns auf dem Tisch kommen. Beim Einkauf achte ich meist auf regional, fair und biologischen Anbau. Ich achte auf Wiederverwertung und Nachhaltigkeit. Denn schnell, preiswert und praktisch ist nicht immer besser, oder? Klimaschutz, so hörte ich diese Woche in den Nachrichten, fällt aktuell wieder nach hinten. Andere Themen dominieren den Alltag. Die Welt wird gegenwärtig von verschiedensten Themen geschüttelt. – Wie dankbar bin ich in einem Land zu leben, das 80 Jahre Frieden feiern kann in diesem Jahr. Wie dankbar bin ich, meinen Glauben in Freiheit zu leben, denke ich an 500 Jahre Täuferjubiläum in diesem Jahr. Damals haben Menschen es gewagt sich auf das Bekenntnis ihres Glaubens taufen zu lassen. Manch einen hat das das Leben gekostet. Letzte Woche wurde in Hamburg mit einem Festakt daran erinnert. Menschen zogen friedlich zwischen Baptistengemeinde und Mennonitenkirche durch die Straßen und bekannten sich in Freiheit zu ihrem Glauben.
„Hast du Zeit?“ Mit dieser Frage ging ich in durch die Woche und merke, wie der Verzicht auf alltägliches, wie den Einkauf, mir geholfen hat mir meines Reichtums wieder bewusster zu werden. Es ist ein Geschenk zu sehen, dass wir mehr als genug schon zu Hause im Regal haben und nicht nur die Möglichkeiten zu nutzen, die uns geboten und angepriesen werden nutzen zu können. Auch nicht zu müssen. Freiräume erschlossen sich mir in der letzten Woche durch den Verzicht und ich dachte nach über Themen, die mein Leben prägen, dachte über Freiheit, Frieden, Glaubensfragen nach. Diese Gedanken lassen mich am Ende der Woche sehr dankbar sein für das, was ich habe.
Claudia Sokolis-Bochmann
Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann ist sonntags um 10 Uhr im Gottesdienst und 14-tägig mittwochs um 15 Uhr zum Bibelgespräch anzutreffen, ebenso am letzten Freitag im Monat von 15-17 Uhr zur KaffeeZeit.- Treffen und Termine können auf Nachfrage zum Gespräch und gemeinsamen Nachdenken mit ihr vereinbart werden.
