Freitagsgedanke: Grenzen und Möglichkeiten

Zwischen Grenzen und Möglichkeiten. Das Thema beschäftigt mich mit Blick auf die Woche. Am Sonntag erinnerten wir im Gottesdienst an die Ereignisse des 09. Novembers. Wir dachten an den Fall der Mauer 1989, ebenso wie an die Reichspogromnacht 1938. Wir zündeten Kerzen an. Beteten, dankten, sangen vom Frieden. Wir hörten Worte über Liebe und lieben. Nicht nur Freunden, sondern auch Feinden. Wir dachten über Herausforderungen im Alltag nach.

Zwischen Grenzen und Möglichkeiten. Mit diesem Thema bewegen wir auf den Werkstatttag am Samstag zu. Da liegen Aufgaben vor uns, die zu gestalten sind. Von praktischen Fragen, die sich rund um unser Haus und die Verwaltung stellen, bis hin zu Fragen, wie wir Menschen, die zu unserer Gemeinde gehören oder unsere Veranstaltungen besuchen, begleiten können. Da sind Aufgaben und Bedürfnis, wissen um Begrenzungen an Möglichkeiten, braucht es Menschen und Finanzen, um Ideen umzusetzen und Bedürfnissen zu begegnen. Ich bin gespannt auf den Austausch morgen am Werkstatttag und freue mich auf Gespräche und Begegnungen, gemeinsames Planen und Entwickeln, welche Schwerpunkte wir 2026 als Gemeinde setzen wollen. Dazu ist es sicher gut hinzusehen, wo Grenzen liegen, wo wir uns begrenzen und wo in die Weite gehen können oder vielleicht sogar sollten?

Zwischen Grenzen und Möglichkeiten bewegte ich mich in dieser Woche, ob in gemeindlichen oder übergemeindlichen Terminen, Gesprächen mit Menschen, oder persönlichen Aufgaben. Gut organisiert hatte ich immer alles bei mir, was ich so durch den Tag brauchte, auch wenn ich dadurch meist sehr bepackt war. Jetzt, wo ich heute am Schreibtisch zu Hause sitze, denke ich, dass nicht alles nötig war, was ich so mitgeschleppt habe durch die Woche. Diese Erfahrung kenne ich aus Urlaubszeiten, wie Arbeitswochen.

Morgen, am Werkstatttag, wird uns auch die Frage beschäftigen „was lasse ich los?“, „was kann weg?“ – da wird es nicht nur um Gepäck im praktischen Sinne gehen, nicht in erster Linie ums Aufräumen von Schränken oder Kellerräumen. Wir werden uns fragen, wo Aufgaben oder Ansichten, zur Seite gelegt werden können, mit Blick auf das nächste Jahr. Vielleicht kommen wir auch auf Gedanken, was einem anderen nicht mehr nachgetragen werden muss. Wo kann ich alte Verletzungen loslassen, oder vergeben? Wo sind Sätze oder Urteile, Meinungen loszulassen? Mit Blick auf den Buß- und Bettag in der nächsten Woche, den wir in ökumenischer Gemeinschaft in dieser Stadt feiern werden, im Katharinensaal, finde ich das einen lohnen Gedanken: welche Last, welchen Schmerz, welches Nachtragen und Mit-mir-herum-tragen, kann ich loslassen? Was will ich Gott hinlegen? Was ihm bekennen? Vielleicht auch Gedanken, wo ich selbst versuche Dinge zu regeln, statt ihn wirken zu lassen?

Heute ermutigt mich ein Bibelwort aus 2. Korinther 3,17:„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“. Möge er wirken und wehen, denn so können wir aufatmen.

Claudia Sokolis-Bochmann

Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann ist sonntags um 10 Uhr im Gottesdienst und 14-tägig mittwochs um 15 Uhr zum Bibelgespräch anzutreffen, ebenso am letzten Freitag im Monat von 15-17 Uhr zur KaffeeZeit.- Treffen und Termine können auf Nachfrage zum Gespräch und gemeinsamen Nachdenken mit ihr vereinbart werden.