Eine Melodie, die schon beim Lesen der Worte im Ohr klingen kann. Die zweite Adventswoche neigt sich dem Ende und wir dachten am Sonntag im Gottesdienst darüber nach, was es heißt Ausschau zu halten, nach vorne zu sehen, den zu erwarten, der kommt. Eben: nicht zu erwarten was kommt, sondern wer kommt. Jesus kommt wieder – eine Botschaft, die in diesen Tagen mitklingen kann. Wir denken an seine Geburt, damals in Bethlehem. Und wir erwarten, dass der Friedenskönig wiederkommt. Wir erwarten den, bei dessen Geburt die Engel anstimmten: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Nachzulesen in der Weihnachtsgeschichte in der Bibel, im Lukasevangelium, Kapitel 2.
Anfang der Woche saß ich an einem Sterbebett. Die Tochter hatte gerade den Lichterbogen ins Krankenhaus gebracht, als wir ins Gespräch kamen über den letzten Weg, der nicht leicht war. Wir beteten, dass Jesus die Frau bald holt und sie in Frieden einschlafen kann. Vorgestern ist die Frau verstorben und bei allem Schmerz der Angehörigen ist Dankbarkeit da, dass das Leid ein Ende hat. Kommende Woche werde ich sie beerdigen und bereite mich aktuell auf zwei Beerdigungen in der Woche vor. Zwei Frauen, die in Verbindung mit der Gemeinde standen, auch wenn sie kaum jemand kannte. Zwei Frauen, die Jesus kannten. Die eine erst wenige Jahre, die andere ihr Leben lang. Beide hatten sie Hoffnung am Ende des Lebens. Beide sprachen von der Gegenwart Gottes. Die eine fand Bilder, die andere Worte für ihr Erleben. Beide sind in Frieden eingeschlafen.
„Maria, durch einen Dornwald ging“, ist ein Lied, dass uns donnerstags begleitet. Donnerstags, bei den besinnlichen Kreistänzen im Advent, erinnern wir uns an den Weg, der vom Dunkel ins Licht führt, tanzen Wege und bewegen wir uns durch den Advent, hin zum Fest. Wir erinnern uns daran, dass der Weg auch für die Eltern von Jesus nicht leicht war. Maria gebar unter Schmerzen und jede Mutter kann das nachempfinden. „Dornen“ auf dem Weg, begegnen uns in ganz unterschiedlicher Gestalt. Schmerzen und Leid, Abschied und Narben – davon können wir berichten. Jene mehr, andere weniger. Mich selbst begleitet durch die Advents- und Weihnachtszeit seit Jahren ein Stern, der aus Holz gestaltet an eine Dornenkrone erinnert und neben der Geburt Jesu auch auf seinen Tod hindeutet. Jesus war das Leiden nicht fremd. Als Kind nicht. Als Erwachsener nicht. Jesus kannte Verfolgung und Flucht, Ablehnung und Spott. Er ging den Weg vom Leben in den Tod und wieder ins Leben. Er ging voran. Das war das Zeugnis der Sterbenden am Montag: Jesus ist voran gegangen. Auch darin zeigt sich Nachfolge.
Am Sterbebett dieser Frau, wie später im gemeinsamen Bibellesen in der Gemeinde mit einem Mann, zitierten und lasen wir die Worte aus Psalm 31: „Meine Zeit steht in deinen Händen – nun kann ich ruhig sein“. Das gilt im Leben, wie im Sterben. Das gilt in Gemeinschaft und Einsamkeit. Das gilt in Freude und Leid. – Am Ende dieser Woche ist die Ermutigung auf dem Weg: Wir erinnern uns nicht nur der Vergangenheit, uns tröstet nicht nur das Kind in der Krippe, sondern wir haben Hoffnung für die Zukunft. In seiner Gegenwart können wir im Frieden ruhen. Und wir gehen dem Licht, dem Leben entgegen.
Claudia Sokolis-Bochmann
Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann ist sonntags um 10 Uhr im Gottesdienst und 14-tägig mittwochs um 15 Uhr zum Bibelgespräch anzutreffen, ebenso am letzten Freitag im Monat von 15-17 Uhr zur KaffeeZeit.- Treffen und Termine können auf Nachfrage zum Gespräch und gemeinsamen Nachdenken mit ihr vereinbart werden.
