In dieser Woche, zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag, nachklingend vom Buß- und Bettag am Mittwoch, schaue ich gerade aus dem Fenster. Es regnet. Der Baum ist kahl. Der erste Schneeregen. Es ist ungemütlich und meine Gedanken gehen auf Reisen:
Hin zu der Freundin, die mit ihrer Krankheit ringt.
Hin zu dem Bruder, der den Tod von Freunden beklagt.
Hin zu der Schwester, die ihren Vater verlor.
Hin zu den Menschen, die auf der Straße frieren.
Hin zu den Leuten, die vor den Trümmern ihrer Häuser stehen.
Hin zu den Suchenden, nach Menschen, die sie in die Arme nehmen.
Hin zu den Einsamen, die auf ein freundliches Wort hoffen, einen Gruß, der von Herzen kommt.
Ich greife zum Hörer. Zwei junge Mütter hatten versucht mich zu erreichen. Die eine hatte noch meine alte Nummer. Die andere musste ich wegdrücken. Zwar trage ich das Handy meist in der Hosentasche bei mir, dennoch bin ich nicht immer verfügbar.
Wann ist ein Anliegen wichtig? Wann braucht wer welche Zeit? Es gibt Tage, da lässt sich das Wesentliche nicht leicht vom Wichtigen unterscheiden, und wäre doch so notwendig.
Für die eine reicht eine kurze Nachricht, der anderen reicht ein Telefontermin, wo wir mit Zeit reden können. Alles nicht so eilig, wie es anfangs klang.
Einander nicht aus den Augen verlieren. Den Kontakt suchen. Beziehungen pflegen. Netze knüpfen. Während ich das schreibe, denke ich an den ökum. Buß- und Bettagsgottesdienst im Gemeindehaus von St. Katharinen. Das Bild vor meinen Augen hat mich inspiriert. War es der Fischzug des Petrus? War es die Begebenheit aus Johannes 21, die ich da sah? Auf jeden Fall waren es Jünger Jesu, die ihre Netze auswarfen, Fische fingen, die sehr lebendig da vor Augen gemalt waren, zart und blass. Das Beige passte zum Raum.
Ich saß im Gottesdienst und meditierte zwischen Texten und Liedern, Musikstücken und Stille über das Bild nach. „Wie mich mein Vater sandte, so sende ich Euch“, sangen wir am Sonntag im Gottesdienst. „Hast Du mich lieb?“ fragt Jesus seinen Jünger Petrus. Und vielleicht auch heute mich? Dich? Zu wem will er uns senden? Wem öffnen wir die Tür? Fragen, die uns auch am Werkstatttag bewegten. Wem bieten wir unsere Freundschaft an? Und wo gilt es uns hinzuwenden? Für mich war es in dieser Woche auch der Weg hin zu den Geschwistern der Ökumene. Und für die Gemeinschaft hier in der Stadt, bin ich dankbar. Die Herzlichkeit bringt Wärme in das zarte Grau des Alltags und macht Mut aufeinander zuzugehen. Schritt für Schritt.
Claudia Sokolis-Bochmann
Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann ist sonntags um 10 Uhr im Gottesdienst und 14-tägig mittwochs um 15 Uhr zum Bibelgespräch anzutreffen, ebenso am letzten Freitag im Monat von 15-17 Uhr zur KaffeeZeit.- Treffen und Termine können auf Nachfrage zum Gespräch und gemeinsamen Nachdenken mit ihr vereinbart werden.
