Dankbarkeit kultivieren

Bis zur Halbzeit hat das deutsche Team es nicht geschafft und die Trauer war bei einigen in dieser Woche groß. Mich bewegte eine andere Art von Trauer. In der Gemeinde haben wir einen Trauerfall. Plötzlich und unerwartet. Über Nacht. Abends, nach dem Fußballspiel im Fernsehen, bereitete sich das Ehepaar wie jeden Abend auf die Nacht vor und gingen schlafen. Morgens wachte die Frau nicht mehr auf. In meinem privaten Umfeld ist es diese Woche eine von fünf Todesnachrichten, angesichts dessen mir bewusst ist, dass Leben ein Geschenk ist. „Lass uns die Dankbarkeit kultivieren“, darum betete mein Mann diese Woche und wir nehmen diesen Gedanken mit in unsere Tage.

Letzten Sonntag feierten wir bei größter Hitze Gottesdienst. Wasser war bereitgestellt, Ventilatoren und Fecher mitgebracht. Und wer keinen hatte, bekam während der ersten Liedzeilen ein kleines Heft in die Hand gedrückt, um sich mit dieser Broschüre Luft zu wedeln und für etwas Kühle zu sorgen. Für sich und für andere. Die Bewegung war im Raum spürbar. Ebenso die Spontanität, mit der gehandelt wurde. Ein Grund der Dankbarkeit: das Miteinander am Sonntag in der Gemeinde.

Dankbar für Mensch und Natur war auch der Regen, der in den Tagen etwas Abkühlung brachte, Erfrischung, wohltuendes Nass. Zum Bibelgespräch am Mittwoch sammelten sich dann nicht nur die Menschen im Vorderhaus, sondern auch die Schirme und Regencapes. Da entstand das Bild für diese Woche.

Als wir durch Wassergeräusche von außen und aus den Rohren irritiert wurden, nach starkem Regen, war es wohltuend, die Fenster wieder schließen zu können und manche erklärenden Worte zu hören, die uns praktisch vor Augen führten, was wir hörten. Gut, dass wir einander haben und jeder sich mit seinen Gaben, Erkenntnissen und Gedanken einbringen kann, damit wir voneinander lernen.

Für Sonntag hoffen wir sehr, die Schirme gleich stehen lassen zu können, denn da feiern wir Hoffest und laden zu einem Gottesdienst im Innenhof ein. Anschließend wollen wir gemeinsam Essen und Gemeinschaft pflegen. Gemeinschaft ist auch heute schon in der KaffeeZeit möglich, ebenso beim sommerlichen (Kreis-)Tanz in der Hofkirche. Wir feiern das Leben. Heute. Und sagen Gott Dank, der uns das Leben schenkt. Er ist die Quelle des Lebens, bei ihm ist Trost und Halt. In jeder Lebens- und Wetterlage.

Claudia Sokolis-Bochmann